Progressive Overload: Wiederholungen und Gewicht steigern, Sätze pro Woche und 1RM berechnen

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Allgemeine Informationen, keine medizinische Beratung. Wenn du schwanger bist oder stillst, eine Erkrankung hast, Medikamente nimmst oder eine Essstörung hattest, sprich zuerst mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder einer Ernährungsfachkraft.

Kurz gesagt: Progressive Overload heißt, dein Training schrittweise schwerer zu machen, damit sich deine Muskeln weiter anpassen. Wähle einen Wiederholungsbereich, steigere die Wiederholungen bei gleichem Gewicht, und wenn du 1–2 Wiederholungen mehr schaffst als dein Ziel, erhöhe die Last um 2–10 %. Trainiere alle großen Muskelgruppen an mindestens 2 Tagen pro Woche und schätze dein Einwiederholungsmaximum mit der Epley-Formel: Gewicht × (1 + Wiederholungen ÷ 30).

Dein Körper passt sich an das Training an, das du ihm gibst. Dasselbe Gewicht für dieselben Wiederholungen ist deshalb bald keine Herausforderung mehr. Progressive Overload, auf Deutsch progressive Belastungssteigerung, ist der Plan dagegen: Du steigerst die Anforderung in kleinen Schritten und schreibst sie auf.

Krafttraining ist für gesunde Erwachsene jeden Alters sicher, betont das American College of Sports Medicine (ACSM). Wenn du aber eine Herzerkrankung, Bluthochdruck oder eine Gelenkverletzung hast, schwanger bist oder neu mit Sport beginnst und gesundheitliche Bedenken hast, sprich vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Und lerne die Technik jeder Übung mit leichter Last, bevor du Gewicht auflegst.

Was ist Progressive Overload?

Gemeint ist, den Reiz auf einen Muskel im Lauf eines Trainingsprogramms zu erhöhen. Das Positionspapier des ACSM von 2026, das 137 systematische Übersichtsarbeiten mit mehr als 30.000 Teilnehmenden zusammenfasst, nennt die Wege: mehr Last, mehr Volumen (Sätze und Wiederholungen), mehr Trainingstage, eine schwerere Übung oder eine längere Dauer, auch wenn es nur wenig ist.

Für Einsteigerinnen und Einsteiger enthält das Papier einen wichtigen Hinweis: Viele Formen von Krafttraining steigern Kraft und Muskelmasse im Vergleich zu keinem Training, ob mit Progression oder ohne. Belastungssteigerung wird wichtig, wenn du über Monate und Jahre weiter Fortschritte machen willst.

So funktioniert Progressive Overload: erst Wiederholungen, dann Gewicht

Am einfachsten umzusetzen ist die doppelte Progression: Du wählst einen Wiederholungsbereich, bleibst beim selben Gewicht, während du Wiederholungen hinzufügst, und erhöhst das Gewicht erst am oberen Ende des Bereichs. Für Einsteiger empfehlen die ACSM-Richtlinien von 2009 Lasten, die du 8- bis 12-mal bewegen kannst.

  1. Starte mit einem Gewicht, das du am unteren Ende des Bereichs, etwa 8 Wiederholungen, mit sauberer Technik schaffst.
  2. Steigere die Wiederholungen bei gleichem Gewicht. Versuche in jeder Einheit, in einem oder mehreren Sätzen eine Wiederholung mehr als beim letzten Mal zu schaffen.
  3. Erhöhe das Gewicht am oberen Ende. Die Regel des ACSM: Schaffst du 1–2 Wiederholungen mehr als dein Ziel, steigere die Last um 2–10 %.
  4. Arbeite dich wieder hoch, vom unteren Ende des Bereichs mit dem neuen Gewicht.

Wie hart sollte jeder Satz sein? Laut dem Review von 2026 verbessert Training bis zum Muskelversagen die Ergebnisse nicht von sich aus; es schlägt vor, Sätze mit etwa 2–3 Wiederholungen in Reserve (RIR) zu beenden.

Beispiel: Bankdrücken, 3 Sätze mit 8–12 Wiederholungen
EinheitGewichtWiederholungen pro SatzGeschätztes 1RM (bester Satz)
140 kg10, 9, 853 kg
240 kg11, 10, 955 kg
340 kg12, 11, 1056 kg
440 kg12, 12, 12: 2,5 kg mehr56 kg
542,5 kg9, 8, 855 kg
642,5 kg10, 9, 857 kg

Die 2,5 kg sind etwa 6 % mehr. Danach sinken die Wiederholungen, das geschätzte 1RM geht kurz zurück und erreicht dann einen neuen Höchstwert.

Wie viel Gewicht solltest du steigern?

Bei einer Langhantelübung mit 60 kg sind die 2–10 % des ACSM 1,2–6 kg. Bei Kurzhanteln können die Sprünge größer sein: Von 10 auf 12 kg sind es 20 %. Dann steigere die Wiederholungen etwas über deinen Bereich hinaus oder füge einen Satz hinzu, bevor du wechselst.

Warum du jeden Satz notieren solltest

Belastungssteigerung funktioniert nur, wenn du weißt, was du beim letzten Mal geschafft hast. Ein Protokoll mit Gewicht und Wiederholungen jedes Satzes sagt dir, was du heute übertreffen willst, und zeigt einen Stillstand, lange bevor du ihn spürst.

Wiederholungsbereiche für Kraft und Muskelaufbau

Schwere Lasten bauen am meisten Maximalkraft auf. Für den Muskelaufbau zählt die Last viel weniger als die Anstrengung und die Zahl deiner Sätze.

Was die ACSM-Positionspapiere für jedes Ziel stützen
ZielLast und WiederholungenWeitere Details
Einstieg8–12 Wiederholungen (2009)Neu im Training oder Wiedereinstieg nach Jahren Pause
MaximalkraftMindestens 80 % des 1RM (2026); für Erfahrene Schwerpunkt auf 1–6 Wiederholungen (2009)2–3 Sätze pro Übung, voller Bewegungsumfang, am Anfang der Einheit (2026); 3–5 Min. Pause (2009)
Muskelaufbau30–100 % des 1RM brachten ähnliches Muskelwachstum (2026); Schwerpunkt auf 6–12 Wiederholungen (2009)Mindestens 10 Sätze pro Muskel und Woche (2026); 1–2 Min. Pause (2009)
Kraftausdauer40–60 % des 1RM, mehr als 15 Wiederholungen (2009)Unter 90 Sek. Pause (2009)

Nach der Epley-Formel sind 80 % deines 1RM ein Gewicht, das du etwa 7- bis 8-mal bewegen kannst. Auch leichtere Lasten bauen Muskeln auf, solange die Sätze nah am Muskelversagen enden. Für die Kraft fand das Review von 2026 keinen durchgängigen Unterschied zwischen Satzpausen unter und über 1 Minute.

Wie viele Sätze pro Muskel und Woche?

Zähle die harten Sätze pro Muskel und Woche. Eine Metaanalyse von 2017 mit 15 Studien im Journal of Sports Sciences verband jeden zusätzlichen Wochensatz mit etwa 0,37 Prozentpunkten mehr Muskelwachstum.

Wöchentliche Sätze pro Muskel und durchschnittliches Muskelwachstum (Schoenfeld et al., 2017)
Sätze pro Muskel und WocheDurchschnittlicher Zuwachs an Muskelgröße
Weniger als 55,4 %
5–96,6 %
10 oder mehr9,8 %

Der Unterschied zwischen diesen drei Gruppen war nur ein statistischer Trend, doch das ACSM-Papier von 2026 macht daraus eine Empfehlung: für den Muskelaufbau mindestens 10 Sätze pro Muskelgruppe und Woche und mindestens 2 Sätze pro Übung, wobei der Zusatznutzen jenseits von etwa 18–20 Wochensätzen abnimmt. Wenig Zeit? Die Autoren von 2017 halten fest, dass auch Programme mit bis zu 4 Wochensätzen pro Muskel deutliche Zuwächse brachten.

Beispiel: Ein Ganzkörperplan an 3 Tagen pro Woche mit je 3 Sätzen Kniebeugen, Bankdrücken und Rudern gibt Oberschenkeln, Brust und Rücken jeweils 9 Sätze pro Woche. Mit einem zusätzlichen Satz pro Muskel irgendwo in der Woche kommst du auf 10.

Wie oft solltest du trainieren?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen, an 2 oder mehr Tagen pro Woche muskelkräftigende Aktivitäten mit mindestens mittlerer Intensität zu machen, die alle großen Muskelgruppen beanspruchen. Ab 65 Jahren kommen an 3 oder mehr Tagen pro Woche abwechslungsreiche Aktivitäten mit Schwerpunkt auf Gleichgewicht und Kraft hinzu, um die Funktionsfähigkeit zu verbessern und Stürzen vorzubeugen. All das kommt zu Ausdaueraktivität wie Gehen hinzu.

Wie du die Arbeit aufteilst, ist weniger wichtig: Bei gleicher Zahl an Wochensätzen brachte es ein ähnliches Wachstum, einen Muskel einmal oder mehr als fünfmal pro Woche zu trainieren. Die ACSM-Richtlinien von 2009 nennen 2–3 Tage pro Woche für Einsteiger, 3–4 für Fortgeschrittene (etwa 6 Monate regelmäßiges Training) und 4–5 für sehr Erfahrene.

1RM berechnen: So schätzt du dein Maximalgewicht

Dein Einwiederholungsmaximum (1RM) ist das schwerste Gewicht, das du einmal mit sauberer Technik bewegen kannst. Die Epley-Formel schätzt es aus einem Satz mit mehreren Wiederholungen, du musst es also nicht testen.

1RM = Gewicht × (1 + Wiederholungen ÷ 30)

Rechenbeispiel: Du schaffst beim Bankdrücken 60 kg für 8 Wiederholungen. 60 × (1 + 8 ÷ 30) = 60 × 1,27 = ein geschätztes 1RM von 76 kg. Umgekehrt sind die 60 kg etwa 79 % deines Maximums.

Epley-Schätzungen für einen Satz mit 60 kg
Geschaffte Wiederholungen60 kg in % des 1RMGeschätztes 1RM
391 %66 kg
586 %70 kg
879 %76 kg
1075 %80 kg
1271 %84 kg, weniger verlässlich
1567 %90 kg, weniger verlässlich
  • Weniger Wiederholungen, bessere Schätzung. In einer Studie mit 70 Erwachsenen an Bankdrücken und Beinpresse sagte ein 5-Wiederholungs-Maximum das 1RM besser voraus als 10 oder 20 Wiederholungen, und die Beinpresse war schwerer vorherzusagen. Weil die Last mit steigenden Wiederholungen nicht linear sinkt, raten die Autoren, in linearen Formeln wie der von Epley höchstens 10 Wiederholungen zu verwenden.
  • Sie setzt einen harten Satz voraus. Epleys Formel beruht auf Wiederholungen bis zum Versagen: Hörst du mit 2–3 Wiederholungen in Reserve auf, fällt die Schätzung zu niedrig aus.
  • Eine einzelne Wiederholung ist schon die Antwort. Bei 1 Wiederholung schlägt die Formel etwa 3 % auf; ein Gewicht, das du wirklich einmal bewegt hast, ist dein 1RM des Tages.

Plateaus, Deload und Regeneration

Ein Plateau hast du, wenn dein Protokoll mehrere Einheiten in Folge dieselben Gewichte und Wiederholungen zeigt. Prüfe zuerst die Grundlagen:

  • Anstrengung: Enden deine Sätze etwa 2–3 Wiederholungen vor dem Versagen oder viel früher?
  • Volumen: Bist du nah an 10 harten Sätzen pro Muskel und Woche?
  • Schrittgröße: Wirft dich ein Gewichtssprung unter deinen Bereich, nimm einen kleineren.
  • Programm: Im Review von 2026 waren periodisierte Programme einfacheren Programmen mit angemessener Belastungssteigerung nicht überlegen.

Ein Deload, also eine geplante leichtere Trainingsphase, um Ermüdung abzubauen, ist wenig erforscht; einen belegten Zeitplan gibt es nicht. In einer Umfrage von 2024 unter 246 Wettkampfathletinnen und -athleten aus Kraft- und Physiquesport dauerte ein Deload im Schnitt 6,4 Tage und kam im Schnitt alle 5,6 Wochen, oder wenn die Leistung stagnierte oder die Gelenke schmerzten. Sie machten weniger Sätze und Wiederholungen mit leichteren Lasten, behielten aber ihre Übungen und Trainingstage bei.

Auch Protein zählt für die Regeneration. Die International Society of Sports Nutrition (ISSN) hält für die meisten Trainierenden 1,4–2,0 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht am Tag für ausreichend, verteilt auf Mahlzeiten mit etwa 20–40 g alle 3–4 Stunden: bei 75 kg also 105–150 g am Tag. In einem Kaloriendefizit brauchen Kraftsportlerinnen und Kraftsportler unter Umständen 2,3–3,1 g/kg, um möglichst viel Muskelmasse zu erhalten. Mehr dazu in unserem Ratgeber zum Proteinbedarf pro Tag.

So hilft dir Portiva

Im Tab „Aktivität“ hat Portiva eine Übungsbibliothek, in der eine animierte 3D-Figur jede Übung vormacht und die arbeitenden Muskeln rot zeigt; eine Körperkarte zeigt, welche Muskeln du in den letzten 7 Tagen trainiert hast. Stell dir eigene Workouts mit Sätzen, Wiederholungen, Gewicht und Pausen zusammen, plane sie mit Erinnerungen in einen Wochenplan ein, trainiere sie in einem geführten Player mit Pausentimer, füge eigene Übungen hinzu und sichere Workouts in Apple Health.

Mit Satz- und Gewichtstracking (Plus und Pro) trägst du Gewicht und Wiederholungen jedes Satzes ein, und die Werte vom letzten Mal sind schon vorausgefüllt, damit du weißt, was du übertreffen willst. Für jede Übung gibt es einen Fortschrittsverlauf, ein geschätztes 1RM nach der Epley-Formel und deine Rekorde. Gewichte folgen einer Regel: bei Kurzhanteln das Gewicht einer Hantel, bei Langhantel und Maschine die gesamte Last.

Häufige Fragen

Um wie viel sollte ich das Gewicht steigern?

Das ACSM empfiehlt, die Last um 2–10 % zu erhöhen, sobald du 1–2 Wiederholungen mehr schaffst als dein Ziel. Bei 60 kg sind das 1,2–6 kg. Ist der kleinste verfügbare Schritt größer, etwa bei Kurzhanteln, steigere zuerst Wiederholungen oder Sätze.

Wann sollte man das Gewicht erhöhen?

Lass dein Protokoll entscheiden, nicht den Kalender. Bei der doppelten Progression legst du nach, wenn du in jedem Satz das obere Ende deines Wiederholungsbereichs erreichst; das kann eine Einheit dauern oder mehrere.

Muss ich für Muskelaufbau bis zum Muskelversagen trainieren?

Nein. Laut dem ACSM-Positionspapier von 2026 verbessert Training bis zum Versagen die Ergebnisse nicht durchgängig; es schlägt vor, mit etwa 2–3 Wiederholungen in Reserve aufzuhören. Für manche Gruppen, etwa ältere Menschen, ist Training bis zum Versagen wegen Risiken für die Blutgefäße und Verletzungen durch unsaubere Technik womöglich nicht ratsam.

Geht Progressive Overload auch ohne mehr Gewicht?

Ja. Füge Wiederholungen, Sätze oder Trainingstage hinzu oder wechsle zu einer schwereren Variante. Das ACSM nennt Last, Volumen, Häufigkeit, Übungsauswahl und Dauer als Wege, den Reiz zu erhöhen, und fand, dass exzentrische Überlastung, also mehr Last oder Spannungszeit in der absenkenden Phase, das Muskelwachstum verstärkt.

Quellen

  1. Resistance Training Prescription for Muscle Function, Hypertrophy, and Physical Performance in Healthy Adults: An Overview of Reviews, ACSM-Positionspapier, Currier BS et al., Medicine & Science in Sports & Exercise (2026).
  2. Progression models in resistance training for healthy adults, ACSM-Positionspapier, Medicine & Science in Sports & Exercise (2009).
  3. World Health Organization 2020 guidelines on physical activity and sedentary behaviour, Bull FC et al., British Journal of Sports Medicine (2020).
  4. Dose-response relationship between weekly resistance training volume and increases in muscle mass, Schoenfeld BJ et al., Journal of Sports Sciences (2017).
  5. Prediction of one repetition maximum strength from multiple repetition maximum testing and anthropometry, Reynolds JM et al., Journal of Strength and Conditioning Research (2006).
  6. Accuracy of Predicting One-Repetition Maximum from Submaximal Velocity in the Barbell Back Squat and Bench Press, Macarilla CT et al., Journal of Human Kinetics (2022).
  7. Deloading Practices in Strength and Physique Sports: A Cross-sectional Survey, Rogerson D et al., Sports Medicine – Open (2024).
  8. International Society of Sports Nutrition Position Stand: protein and exercise, Jäger R et al., Journal of the International Society of Sports Nutrition (2017).

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